"Aktuelle Lebenslagen von Menschen aus dem Land Brandenburg, die in der Sowjetischen Besatzungszone/ DDR politisch verfolgt wurden oder Unrecht erlitten und deren mitbetroffenen Familien"

Der brandenburgische Landtag beschloss im Jahr 2016 die Beauftragung einer Sozialstudie. Ausgangspunkt war die Enquete-Kommission “Aufarbeitung der Geschichte und Bewältigung von Folgen der SED-Diktatur und des Übergangs in einen demokratischen Rechtsstaat im Land Brandenburg“, die sich mit ehemals politisch Verfolgten, ihrer Würdigung und der Wiedergutmachung befasste. Die Untersuchung der heutigen Lebenslagen von Menschen und ihren Familien im Land Brandenburg, die in der SBZ/DDR politisch verfolgt wurden oder Unrecht erlitten, soll Impulse und Empfehlungen für weiteres politisches Handeln geben und ggfs. neue Handlungsfelder aufzeigen. Das BIS - Berliner Institut für Sozialforschung GmbH - wurde von der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur mit der Studie betraut.

Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall sind die Auseinandersetzungen um die angemessene Deutung der DDR nicht abgeschlossen. Dem Unrechtscharakter und den Unterdrückungsmechanismen des SED-Regimes und dessen Opfern wird zu Recht immer noch Aufmerksamkeit gewidmet. Denn gesellschaftlich gesehen hängt der weitere Verlauf der Transformation und des weiteren Vereinigungsprozesses in Deutschland auch von der Frage ab, wie mit den Opfern der SED-Diktatur umgegangen wurde und wird. Die Rehabilitierungsmaßnahmen der SED-Opfer setzten nicht nur symbolische Zeichen in der Aufarbeitung der Vergangenheit, sondern sind maßgeblich für eine gelebte Demokratie (Mayer & Schulze 2009).

Weitere Veränderungen und Verbesserungen der Lebenssituation der Diktatur-Opfer sind notwendig. Erkenntnisbedarf besteht auch hinsichtlich der materiellen Lebenssituation in Bezug auf die Ausstattung des Härtefallfonds und hinsichtlich der gesundheitlichen Situation mit Bezug auf Verbesserungen niedrigschwelliger traumatherapeutischer Angebote im ländlichen Raum, aber auch hinsichtlich von Aufarbeitungsbestrebungen und Forderungen nach stärkerer gesellschaftlicher Integration der Personengruppe. Die zentrale Fragestellung zielt auf die aktuelle Lebenslage der Opfer des SBZ/SED – Regimes, die in Brandenburg wohnen. Der Begriff der Lebenslagen wird im Kontext der Studie folgende Dimensionen umfassen:

 

• die ökonomische Situation der Untersuchten

• die soziale Situation

• die gesundheitliche Situation

• die persönlichen Erfahrungen von Anerkennung der Verfolgungserfahrung

• die individuelle Einschätzung der gesellschaftlichen Aufarbeitungsbemühungen

• die individuelle Bewertung der Notwendigkeit zukünftiger Hilfen

In die Untersuchung sollen die Familienangehörigen der Betroffenen mit einbezogen werden. Die Lebenslagen der nachkommenden Generationen, sowie deren materielle und gesundheitliche Situation, wurden bisher wenig berücksichtigt. Deshalb soll eine Auseinandersetzung mit einer transgenerationellen Weitergabe von Verfolgungsschäden der Opfer mit erfolgen. Kinder und Kindeskinder haben infolge der Verfolgungserfahrungen und Eingriffen in das Leben und das berufliche Fortkommen der Eltern- oder Großelterngeneration oftmals schwierigere und schlechtere Ausgangsbedingungen. Sie sind Erben der durch die Verfolgung entstandenen Beschädigungen der Familienmitglieder, seien sie gesundheitlich oder materiell.

Aus psychotherapeutischer Sicht wurde inzwischen bereits zum Thema transgene-rationelle Weitergabe von Traumata umfangreich publiziert, sei es im Zusammenhang mit der Holocaust-Forschung aber auch im Kontext der psychischen Folgen kommunistischer Herrschaft. Auch dies gilt es hier, angemessen zu berücksichtigen.

 

Literatur: Mayer, K., Schulze, M., & Schulze, E. (2009). Die Wendegeneration: Lebensverläufe des Jahrgangs 1971. Frankfurt, M. [u.a.]: Campus-Verl.

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