UrbanArena
SOSPER: Saisonale Speicherung von solarer Wärme mit hohen Deckungsgraden und SaSoFe: SaisonalSondenFeld
Eine verallgemeinerungsfähige Fallstudie über einen Erdbeckenspeicher zur Entwicklung eines kopplungsfähigen Modells für Bohrsondenfelder als saisonale Speicher sowie über eine Auslegungsmethodik für kalte Netze im Bestand
Das Berliner Institut für Sozialforschung (BIS) begleitet im Rahmen der Forschungsprojekte SOSPER und SaSoFe das Teilprojekt UrbanArena. Während in SOSPER technische Dimensionierungsregeln für Solarthermieanlagen mit saisonalen Wärmespeichern entwickelt und am Beispiel der Stadtwerke Meiningen erprobt werden, untersucht SaSoFe die Nutzung von Bohrsondenfeldern als saisonale Speicher in kalten Wärmenetzen. Dabei untersucht das BIS die gesellschaftlichen Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung solcher Infrastrukturvorhaben.
Die Studie
Die Stadtwerke Meiningen prüfen den Aufbau einer großflächigen Solarthermieanlage mit saisonalem Erdbeckenspeicher oder alternativ ergänzend einem Erdsondenfeld, um die Wärmeversorgung langfristig klimafreundlicher zu gestalten. Geprüft wird auch die Einbindung saisonaler Speichertechnologien in das bestehende Wärmenetz. Neben technischen und wirtschaftlichen Fragestellungen wirft ein solches Vorhaben auch gesellschaftliche Herausforderungen auf. Die eventuelle Nutzung einer ehemals militärisch genutzten und heute zunehmend renaturierten Fläche berührt Fragen des Natur- und Landschaftsschutzes sowie der lokalen Entwicklung. Gleichzeitig bestehen in Meiningen Erfahrungen mit einem früheren Geothermieprojekt, das auf erhebliche gesellschaftliche Vorbehalte stieß und letztlich nicht umgesetzt werden konnte.

KI-generiertes Bild.
Mit dem in SaSoFe untersuchten Bohrsondenfeld treten weitere spezifische Fragen hinzu. Anders als eine sichtbare Solarthermieanlage greift ein Bohrsondenfeld in einen für viele Menschen schwer nachvollziehbaren Bereich ein. Fragen zu möglichen Auswirkungen auf Untergrund, Grundwasser, Gebäude oder Nachbargrundstücke können dadurch besondere Unsicherheiten hervorrufen. Gleichzeitig sind kalte Wärmenetze und die Kopplung von Untergrundprozessen und Netzbetrieb für viele Bürger*innen erklärungsbedürftig. UrbanArena untersucht deshalb auch, wie technische Modellierungen, Sicherheitsmechanismen und Unsicherheiten so kommuniziert werden können, dass sie nachvollziehbar werden und Vertrauen in Planung, Genehmigung und Monitoring entstehen kann.

KI-generiertes Bild.
Geprüft wird auch die Einbindung saisonaler Speichertechnologien in das bestehende Wärmenetz. Neben technischen und wirtschaftlichen Fragestellungen wirft ein solches Vorhaben auch gesellschaftliche Herausforderungen auf. Die eventuelle Nutzung einer ehemals militärisch genutzten und heute zunehmend renaturierten Fläche berührt Fragen des Natur- und Landschaftsschutzes sowie der lokalen Entwicklung. Gleichzeitig bestehen in Meiningen Erfahrungen mit einem früheren Geothermieprojekt, das auf erhebliche gesellschaftliche Vorbehalte stieß und letztlich nicht umgesetzt werden konnte.
Vor diesem Hintergrund untersucht das BIS, wie Informations-, Kommunikations- und Beteiligungsprozesse gestaltet werden können, um Vertrauen aufzubauen, Konflikte frühzeitig zu erkennen und gesellschaftliche Akzeptanz für innovative Wärmeinfrastrukturen zu fördern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Bürger*innen und weitere relevante Akteur*innen in die Bewertung unterschiedlicher Handlungsoptionen eingebunden werden können, sodass Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Verfahrensgerechtigkeit gestärkt werden. Besonderes Augenmerk liegt auf szenarienbasierten Beteiligungsansätzen. Diese ermöglichen es, verschiedene Entwicklungspfade der zukünftigen Wärmeversorgung einschließlich ihrer sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen sichtbar und diskutierbar zu machen. Ziel ist es, Entscheidungsprozesse zu unterstützen, Vertrauen in kommunale Akteure zu stärken und tragfähige Grundlagen für die Umsetzung der Wärmewende zu schaffen.
Die Studie beinhaltet
• Analyse nationaler und internationaler Fallstudien zur Wirkung von Informations- und Beteiligungsformaten bei Energie- und Infrastrukturprojekten.
• Untersuchung der Wahrnehmung von Risiken und Unsicherheiten im Zusammenhang mit saisonalen Erd- und Bohrsondenspeichern sowie der Frage, wie technische Modellierungen, Sicherheitsmechanismen und Monitoring nachvollziehbar vermittelt werden können.
• Untersuchung von Faktoren, die Vertrauen, Akzeptanz, Verfahrensgerechtigkeit und gesellschaftliche Unterstützung für Infrastrukturvorhaben beeinflussen.
• Entwicklung von zwei realitätsnahen Zukunftsszenarien zur Wärmeversorgung mit unterschiedlichen sozialen, wirtschaftlichen und klimapolitischen Konsequenzen.
• Durchführung qualitativer Interviews mit relevanten Stakeholdern, darunter kommunale Vertreter*innen, Verbände, Multiplikator*innen und weitere lokale Akteur*innen.
• Analyse von Erwartungen, Bedarfen, Befürchtungen und potenziellen Konfliktlinien im Zusammenhang mit dem Vorhaben.
• Konzeption und Moderation dialogischer Beteiligungsformate.
• Auswertung der Rückmeldungen und Ableitung eines praxisorientierten Maßnahmenplans für Kommunikation und Beteiligung.
• Erarbeitung einer übertragbaren Fallstudie und von Handlungsempfehlungen für andere Kommunen und Stadtwerke.
Ziel
Ziel von UrbanArena ist die Entwicklung eines praxistauglichen Beteiligungs- und Kommunikationskonzepts für Wärmewendeprojekte mit unterschiedlichen saisonalen Speichertechnologien. Durch transparente Prozesse, frühzeitige Einbindung relevanter Akteur*innen und die gemeinsame Diskussion möglicher Entwicklungspfade sollen Vertrauen gestärkt, festgefahrene Positionen aufgebrochen und gesellschaftliche Akzeptanz gefördert werden. Gleichzeitig soll die Rolle der Stadtwerke als glaubwürdige und handlungsfähige Akteur*innen der kommunalen Transformation gestärkt werden.
Das Projekt unterstützt damit die Stadtwerke Meiningen bei der Vorbereitung eines komplexen Infrastrukturvorhabens und liefert zugleich übertragbare Erkenntnisse für andere Kommunen und Energieversorger. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, zukünftige Wärmeinfrastrukturprojekte nicht nur technisch und wirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich erfolgreich umzusetzen.
Vorgehen
Das BIS bearbeitet im Auftrag der Technischen Universität Dresden vier sozialwissenschaftliche Arbeitspakete, die die technischen Forschungsarbeiten von SOSPER und SaSoFe ergänzen. Literatur- und Fallstudienanalyse, Szenarienentwicklung, qualitative Stakeholderinterviews und dialogische Beteiligungsformate werden dabei miteinander verbunden. Die Ergebnisse werden anschließend hinsichtlich Vertrauen, Konfliktpotenzial, Verfahrensgerechtigkeit und Akzeptanz ausgewertet und in einen praxisorientierten Maßnahmenplan für Kommunikation und Beteiligung überführt.
In Kooperation mit
Dieses Projekt entsteht in Kooperation mit der Professur für Gebäudeenergietechnik und Wärmeversorgung sowie dem Institut für Bauklimatik der Technischen Universität Dresden.
Im Auftrag von
Das Teilprojekt UrbanArena wird durch das Berliner Institut für Sozialforschung im Auftrag der Technischen Universität Dresden im Rahmen der UrbanArenas (PtJ) durchgeführt.



