Pilotprojekt Stromausfall Berlin Frühjahr 2026

Den vollständigen Forschungsbericht finden Sie hier: Der Stromausfall in Berlin im Januar 2026 aus Sicht der betroffenen Bevölkerung. Ergebnisse einer Pilotstudie
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Zitiervorlage: Gabriel, Janika; Bader, Felix (2026): ​​​​​Der Stromausfall in Berlin im Januar 2026 aus Sicht der betroffenen Bevölkerung.
Ergebnisse einer Pilotstudie
Die Studie
Das Pilotprojekt "Stromausfall Berlin Frühjahr 2026" entstand vor dem Hintergrund des dreitägigen Stromausfalls im Januar 2026 in Berlin, bei dem die betroffene Bevölkerung mit der Bewältigung der praktischen Konsequenzen des Anschlags auf das Stromnetz konfrontiert waren. Die Studie fokussiert auf die enge Verknüpfung zwischen der städtischen technischen Infrastruktur und dem sozialen Netzwerk, das im Notfall greifen kann, um die Betroffenen aufzufangen. Denn trotz der Berichterstattungen wurde die subjektive Perspektive der Betroffenen bisher nicht untersucht und stellt doch eine zentrale Komponente in der Ausarbeitung eines zukunftsfähigen Krisenmanagements dar. Ausgehend von diesem Anlass führte das BIS eine selbstinitiierte Pilotstudie zur Erhebung der Erfahrung und der Perspektive der Betroffenen durch.
Vorgehen
Das methodische Vorgehen umfasste eine standardisierte Online-Befragung mittels eines Fragebogens, der auf die Erfassung des Erlebten, der Belastungen und des vorhandenen sozialen Hilfenetzwerkes unmittelbar nach dem Ereignis abzielte. Dabei wurde die Befragung mittels des Schneeballprinzips digital verbreitet und 119 Mal durchgeführt, wobei kein Anspruch auf die Repräsentativität erhoben wird.
​Inhaltlich genauer untersucht wurden dabei:
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• wie Menschen den Stromausfall wahrgenommen und bewältigt haben,
• welche Formen der Unterstützung sie genutzt oder gegeben haben,
• welche sozialen Netzwerke in der Krise tragfähig waren,
• welche Auswirkungen der Ausfall hatte – unmittelbar und nachwirkend,
• und wie gut sich Menschen für zukünftige Krisen vorbereitet fühlen.
Die Vorgehensweise wurde so konzipiert, dass die Ergebnisse als Vorbereitung für eine mögliche sich anschließende und umfangreichere Folgestudie dienen können.
Ziel
Es wurden die Wahrnehmung der Außnahmesituation seitens der Betroffenen und deren Bewältigung erfoscht, wobei auf die genauen Maßnahmen zur Unterstützung fokussiert wurde. Darüber hinaus wurde untersucht, welche kurz- und längerfristigen Folgen der Ausfall hatte und wie gut sich die Befragten auf zukünftige Krisensituationen vorbereitet fühlen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit besser zu verstehen und Ansatzpunkte für eine effektivere Krisenvorsorge sowie Kommunikation zu entwickeln. Gesellschaftliche Resilienz ist in Krisen von zentraler Bedeutung, da sie beschreibt, wie gut Gemeinschaften in der Lage sind, auf außergewöhnliche Belastungen zu reagieren, sich anzupassen und sich von ihnen zu erholen. Eine hohe Krisenresilienz kann dazu beitragen, negative Auswirkungen zu begrenzen, gegenseitige Unterstützung zu stärken und die Handlungsfähigkeit auch unter schwierigen Bedingungen aufrechtzuerhalten.
Ergebnisse
Erleben und Belastungen
Das persönliche Erleben wurde mehrheitlich als belastend beschrieben. Als besonders einschneidend wurden vor allem Kälte, Dunkelheit, mangelnde Informationen und eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten genannt. Vor allem vulnerable Gruppen – etwa ältere Menschen, Personen mit Behinderungen oder Demenz, alleinlebende Menschen sowie Personen ohne Internetzugang – wurden auffallend häufig als nicht ausreichend durch Hilfsangebote erreicht festgestellt.
Soziale Unterstützung als zentrale Ressource
Etwa die Hälfte der Befragten bekam in der Situation Unterstützung – sowohl emotional als auch ganz praktisch –, vor allem aus dem persönlichen Umfeld wie Freundeskreis, Familie oder Nachbarschaft. Öffentliche oder institutionelle Stellen waren dagegen deutlich seltener beteiligt. Die Ergebnisse unterstreichen die wichtige Rolle funktionierender nachbarschaftlicher Netzwerke, zeigen aber zugleich bestehende soziale Unterschiede auf, da 28% der Befragten keinerlei Hilfe erhielten.
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Kommunikationsdefizite und Kritik am Krisenmanagement
Offizielle Informationsquellen wie Medien, Polizei oder Bezirksämter wurden zwar herangezogen, spielten jedoch im Vergleich zu persönlichen Kontakten eine deutlich geringere Rolle. Dies deutet auf Schwächen in der Krisenkommunikation hin. Die bestehenden Informationslücken äußerten sich zudem in spürbarer Kritik am staatlichen Umgang mit der Krise.
Konkrete Auswirkungen und Bewältigungsstrategien
Die Folgen des Stromausfalls zeigten sich in unterschiedlichen Bereichen. Neben organisatorischen Problemen und finanziellen Einbußen berichteten viele Befragte auch von verdorbenen Lebensmitteln oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Lediglich 11% gaben an, keine Auswirkungen gespürt zu haben. Selbst Wochen nach dem Ereignis fühlten sich noch 44% belastet – ein deutlicher Hinweis darauf, dass auch kurzfristige Ausfälle längerfristige Nachwirkungen haben können.
Vorbereitung auf zukünftige Krisen
Die Bewertung der eigenen Vorbereitung fällt insgesamt gemischt aus: Viele Befragte schätzen sich als nur bedingt oder unzureichend vorbereitet ein. Dies verdeutlicht ein grundlegendes Spannungsfeld zwischen persönlicher Vorsorge, sozialer Einbindung und der Rolle institutioneller Strukturen. Bemerkenswert ist zudem, dass Personen, die während des Stromausfalls im betroffenen Gebiet geblieben sind, im Nachhinein ihre eigene Vorbereitung deutlich besser einschätzen. Dies könnte auf die direkte Erfahrung mit der Situation oder eine veränderte Wahrnehmung der eigenen Fähigkeiten zurückzuführen sein.
Die Pilotstudie Stromausfall entstand aus Initiative des Berliner Instituts für Sozialforschung.
