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Eine sozial-räumlich differenzierte Analyse für Klimaanpassungsmaßnahmen aus Sicht der Stadtnutzenden in Berlin

Hitze in der Stadt

Ab sofort können Sie den vollständigen Forschungsbericht lesen: Hier geht's zum Abschlussbericht (externe Seite der BTU)

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Zitiervorlage: Schroth, Jil; Draeger, Susan; Gabriel, Janika; Santucci, Daniele (2025): Hitze in der Stadt. Eine sozial-räumlich differenzierte Analyse für Klimaanpassungsmaßnahmen aus Sicht der Stadtnutzenden in Berlin. BTU Cottbus–Senftenberg.​​​​​

Hintergrund

 

Extreme Hitzewellen nehmen zu und treffen Städte besonders hart.

In dicht bebauten Quartieren staut sich Wärme, nächtliche Abkühlung bleibt aus, und der städtische Wärmeinseleffekt verstärkt die Belastung. Besonders betroffen sind vulnerable Gruppen wie ältere Menschen und Kinder. Trotz zahlreicher technischer und planerischer Ansätze fehlte bisher eine Forschungsperspektive, die mikroklimatische Messdaten und die subjektive Erfahrung verschiedener Stadtnutzender systematisch zusammenführt. Genau hier setzte das Forschungsprojekt „Hitze in der Stadt“ an. Die Analyse fokussierte sich auf sieben klar definierte Raumtypen, die entlang einer festgelegten Route identifiziert wurden. Diese Raumtypen bilden typische städtische Situationen ab, von der breiten Hauptstraße über die enge Gasse bis hin zum Brunnenplatz im Park und wurden so konzipiert, dass sie auf andere europäische Innenstädte übertragbar sind.

Das Projekt verfolgte das Ziel, besser zu verstehen, wie Menschen Hitze im öffentlichen Raum erleben und welche räumlichen Bedingungen dazu führen, dass Orte als belastend oder angenehm wahrgenommen werden. Das Projekt verfolgte das Ziel, besser zu verstehen, wie Menschen Hitze im öffentlichen Raum erleben und welche Bedingungen dazu führen, dass Stadträume als belastend oder angenehm wahrgenommen werden. Im Mittelpunkt stand dabei das Zusammenspiel aus Stadtstruktur, Mikroklima und subjektiver thermischer Wahrnehmung.

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Konkret sollte das Projekt:

 

  • überhitzte Stadträume aus Sicht einer Risikogruppe (≥ 65 Jahre) und einer jüngeren Vergleichsgruppe bewerten,

  • subjektive thermische Bedürfnisse verschiedener Gruppen erfassen,

  • räumliche und atmosphärische Einflussfaktoren identifizieren,

  • Anforderungen an die Gestaltung hitzeresilienter Stadträume ableiten,

  • und darauf aufbauend zielgruppenorientierte Empfehlungen für kommunale, Klimaanpassung formulieren.

 

Die Studie liefert damit wichtige Grundlagen, wie Städte zukünftigen Hitzeperioden sozial gerecht, menschenzentriert und raumtypenspezifisch begegnen können.

Methodisches Vorgehen

 

Um zu verstehen, wie Menschen Hitze im Stadtraum tatsächlich erleben, kombinierte das Projekt präzise Klimamessungen mit subjektiven Wahrnehmungsdaten und Gruppengesprächen.

Climate Walks:​

Im Mittelpunkt standen drei Climate Walks an warmen bis sehr heißen Sommertagen. Zwei Gruppen, ältere Menschen und eine jüngere Vergleichsgruppe, gingen dabei gemeinsam eine festgelegte Route durch sieben charakteristische Stadträume. 

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Während des Spaziergangs hielten die Teilnehmenden an den ausgewählten Punkten an und dokumentierten ihre unmittelbare Wahrnehmung.

Climateflux: Parallel dazu erfasste Climateflux mit einer mobilen Wetterstation hochauflösende mikroklimatische Daten wie Lufttemperatur, Wind, Luftfeuchte, Strahlung und Oberflächentemperaturen. Durch GPS-Tracking wurden alle Messungen exakt verortet. Auf diese Weise entstand ein präzises Bild davon, wie sich objektive Hitzebelastung und subjektives Empfinden im Stadtraum überlagern.

 

Fokusgruppen: Um diese Eindrücke noch zu vertiefen, führte das BIS im Anschluss an jeden Spaziergang moderierte Fokusgruppen durch. Dort reflektierten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen, beschrieben störende und angenehme Aspekte der Orte und diskutierten, welche Gestaltungselemente in heißen Situationen hilfreich sind. Die Aussagen wurden anschließend systematisch ausgewertet und mit den Messdaten verknüpft.

Zentrale Ergebnisse

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Die Studie zeigt, dass Hitze im urbanen Raum nicht allein durch messbare Temperaturen bestimmt wird, sondern stark davon abhängt, wie ein Ort gestaltet ist und welche Atmosphäre er vermittelt. Besonders ältere Menschen reagierten sensibler auf Wärme, fühlten sich schneller erschöpft und bewerteten viele Orte kritischer.

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Die Ergebnisse machen deutlich, dass Raumqualität entscheidend für das Hitzeempfinden ist: Begrünte, ruhige und weite Orte wurden trotz hoher thermischer Belastung als angenehm wahrgenommen. Dagegen wurden stark versiegelte, laute und verkehrsreiche Räume an allen Untersuchungstagen als besonders belastend empfunden. Unterschiedliche Personengruppen wiesen ein unterschiedliches Hitzeempfinden auf, woraus zu schließen ist, dass die objektive Belastung nicht der einzige Faktor für das Wohlbefinden ist, sondern auch subjektive Wahrnehmung wie beispielsweise eine höhere Resilienz auf die Hitzewahrnehmung einwirken.

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Zudem wurde ein deutlicher Mangel an kühlen Aufenthaltsorten im Berliner Stadtraum sichtbar. Nur wenige der Teilnehmenden gaben an, genügend Rückzugsorte zu kennen. Viele berichteten, dass sie bei Hitze längere Wege in Kauf nehmen, solange diese im Schatten verlaufen, und dass nicht nur der Aufenthaltsort selbst, sondern auch der Weg dorthin entscheidend ist.

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Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass wirksame Klimaanpassung die Gestaltung, Nutzungsqualität und soziale Perspektiven ebenso berücksichtigen muss wie das physikalische Klima. Hitze wird als räumlich-soziale Erfahrung erlebt und muss als solche adressiert werden.

Handlungsempfehlungen

 

Aus den Befunden lassen sich mehrere zentrale Empfehlungen für eine menschengerechte Klimaanpassung ableiten:

Ein Schwerpunkt liegt auf der Aufwertung von alltäglich genutzten Stadträumen, wie ÖPNV-Haltestellen, Kreuzungen oder stark frequentierten Gehwegen. Diese Orte wurden häufig als besonders belastend erlebt und besitzen daher ein großes Potenzial für wirksame Maßnahmen.

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Grundlegend ist eine raumtypenspezifische Planung, da unterschiedliche Orte verschiedene Herausforderungen aufweisen. Während in Parks oder an Promenaden mehr Sitzmöglichkeiten, Wasserangebote und Vegetation sinnvoll sind, benötigen breite Straßen und Kreuzungsbereiche vor allem Verschattung, hellere Materialien, Verkehrsberuhigung und Lärmreduktion.

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Ein durchgängiges Ergebnis war die Bedeutung von Grün und Schatten. Mehr Bäume, begrünte Fassaden, Schattenstrukturen und entsiegelte Flächen wurden an nahezu allen Orten gewünscht. Auch Trinkwasserangebote sind ein zentrales Bedürfnis, insbesondere für ältere Menschen und an hochfrequentierten Standorten.

 

Darüber hinaus zeigte sich, dass Hitze die Wahrnehmung von Müll, Lärm und Unordnung verstärkt. Saubere, gepflegte und ruhige Räume tragen erheblich zum thermischen Wohlbefinden bei und sollten im Rahmen von Klimaanpassung stärker berücksichtigt werden.

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Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Schaffung von „kühlen Wegen“, also zusammenhängenden, schattigen Verbindungen zwischen Alltagszielen, die mobilitätseingeschränkten oder hitzesensiblen Personen eine sichere und angenehme Fortbewegung ermöglichen.

 

Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass Klimaanpassung zielgruppenorientiert und sozial differenziert erfolgen muss.

Ältere Menschen, Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen oder geringer Mobilität haben besondere Bedürfnisse, die in der Planung konsequent berücksichtigt werden sollten.

Ansprechperson: Dipl Soz. Janika Gabriel

Kontakt: hitze@bis-berlin.de

Im Auftrag von

Dieses Projekt wurde gefördert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen aus Mitteln der Zukunft Bau Forschungsförderung. 

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